Kann Präsenzlehre noch das werden, was es früher war?

Das beträchtliche Erneuerungen und elementare Veränderungen sogar über Nacht möglich sind, ist die klare Erkenntnis der Corona-Politik.

Was vorher niemand auch nur ansatzweise für möglich gehalten hat, rechtfertigte der Kampf gegen die Pandemie.

Das Leben in der Öffentlichkeit wurde in soziale Isolation deportiert. Einrichtungen wie Restaurants, Hotels, Büros und Schulen blieben geschlossen. Durch Abstands-, Hygieneregeln und Alltagsmasken wurde eine Rückkehr in das Leben erlaubt.

Nach den Sommerferien wollen auch Schulen Schritt für Schritt zu einer Normalität des Präsensunterrichts zurückkehren.

Der Senat der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hält in einer Anfang Juli veröffentlichten Pressemitteilung eine „sofortige vollständige Rückkehr in den Präsenzbetrieb unter anhaltenden Corona-Bedingungen für verfehlt“.

So bekennt sich die Hochschulrektorenkonferenz – die Interessenorganisation von Universitäten und (Fach-) Hochschulen, in denen insgesamt rund 94 Prozent aller Studierenden in Deutschland immatrikuliert sind – klar zum Fernstudium.

Um aber der Kritik vorzubeugen, dass es sich beim Verzicht auf den Normalbetrieb um eine unnötig weit vorauseilende Kapitulation vor den Corona-Risiken handle, verweist der HRK-Präsident unter anderem darauf, dass Studierende „ihre Leistungen bei allen Kompromissen auch erfolgreich digital erbringen können“.

Man könnte sich eingestehen, dass bereits lange vor der Corona-Krise neue Informations- und Kommunikationstechnologien die Welt des Studiums weitreichend verändert haben. Die Corona-Krise beschleunigt lediglich, was bislang in Deutschland in der Regel praktisch nicht und nur in Ausnahmefälle, bestenfalls zögerlich in Gang gekommen ist: Eine Digitalisierung der Lehre.

Ökonomische Logik der Massenproduktion und die geballte professionelle Expertise hochspezialisierter Online-Anbieter sprechen für eine zwangsläufige Optimierung, Standardisierung und Skalierung der Lehrangebote durch digitale Lehre.

In vielen Grundlagenfächern zeigt sich heute schon was in der digitalen Lehre bereits Maßstab aller Dinge ist. Für ein inhaltlich, wie didaktisch hochwertiges digitales Angebot scheuen die großen Lehrbuchverlage weder Kosten noch Mühen. Das Basiswissen durch exzellent geschulte, bestens vorbereitete und enorm motivierte Dozierende unterstützt von Videos zu Erklärung, Animationsfilmen, Dokumentationen und Grafiken und professioneller Bild- und Tonqualität vorgetragen.

Dazugehören Fallstudien aus der Praxis, Anwendungsbeispiele, Chatrooms, Netzwerke, interaktive Foren, Seminare, Tutorien genauso wie Cross- und multimediale Zusatzangebote aus Mediatheken, Hintergrundmateriealien, Zugriff auf Datenbanken, Quellen und weiterführende Literatur.

Das Spektrum der standardisierten Digitallehre wird durch eine breite Palette von Zusatzleistungen – von Foliensätzen und Übungsaufgaben, über laufende Besprechungen und (Selbst-) Kontrolle der Lehrfortschritte bis zu Probeklausuren mit Musterantworten und individualisierter Nachbearbeitung – ergänzt.

So werden durch die Digitalisierung unvorstellbare Möglichkeiten der orts- und zeitunabhängige, universitäre Studiengänge und akademischen Bildungsprogramme zu nutzen geboten. Ein Fernstudium ermöglicht jederzeit, rund um die Uhr einen maßgeschneiderten Zugang zum Wissen. Auch bietet das Bildungsinstitut für Soziales und Gesundheit eine Reihe an Online Weiterbildungen https://www.kurse-bildung-sg.de.

Brauchen wir überhaupt noch Lehrangebote, die zu fixen Zeiten, an fixen Orten von Professoren deren Interesse an der Lehre nachrangig ist oder deren pädagogischen Fähigkeiten bei der Berufung gar kein entscheidendes Kriterium waren vorgetragen werden?

„Wir sollten bei aller Anspannung außerdem nicht vergessen, dass wir von den heutigen Erfahrungen profitieren können, wenn wir sie vorbehaltlos analysieren und Folgerungen im Hinblick auf eine weitere konstruktive Fortentwicklung unserer Lehre unter Einschluss digitaler Elemente ziehen“, so der HRK-Präsident in seiner Begründung für das Festhalten am universitären Krisenmodus.

Lieber sollten wir die Zukunft der Lehre im Post-Corona-Zeitalter heute als morgen hinterfragen.

Das Ende der Massenuniversität, die mit tausenden von Lehrkräften an hunderten Hochschulen in den Grundlagenfächern alle mehr oder weniger dasselbe unterrichten, wird durch die Corona-Politik erwirkt. Überleben werden die, die spezielle und flexible Lehrangebote anbieten.

Autor: Denise Bremer

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Quelle: https://www.welt.de/wirtschaft/karriere/bildung/article211886035/Digitales-Studium-Corona-erwirkt-das-Ende-der-Massenuniversitaet.html